Fleischkonsum in Zeiten von Corona

Wäre vor knapp zwei Wochen in mehreren großen Schlachtbetrieben nicht die Corona-Infektion unter den Beschäftigten massiv aufgetreten, hätten wir uns wahrscheinlich wenig Gedanken über dieses Thema gemacht. Doch im Rahmen der Diskussionen um covid19 geht es immer öfter auch im den (erschreckenden) Alltag in Schlachtbetrieben.  

 

Und doch möchten viele Themen wie das Tierwohl, die Entlohnung der Bauern, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten und deren Wohnsituation und die Hygienebedingungen schnell wieder vergessen und sich nicht weiter damit beschäftigen – ganz nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ – so wie eben bei allem Themen, die ungemütlich sind und uns aus unserer Bequemlichkeit herausfordern und uns auffordern, unsere Handlungsmuster und Denkweisen zu hinterfragen.

 

Die Realität von billig erzeugtem Fleisch ist neben vielen Umweltschäden auch die Ausbreitung von Infektionskrankheiten, da sie durch die Bedingungen begünstigten werden, unter denen billiges Fleisch hergestellt wird (Quelle: Heinrich Böll Stiftung):

In den letzten Monaten hat weltweit die Rodung der (Regen-)Wälder um bis zu 150% zugenommen, um Monokulturen wie Soja für Tierfutter anzubauen (Quelle: wwf). Dieses menschliche Eindringen in natürliche Ökosysteme verkleinert den Lebensraum von Wildtieren und bringt Ökosysteme aus dem Gleichgewicht.

 

Tiere werden dann in Massenbetrieben gehalten, die die Entstehung von Viren ermöglichen, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden können. Die WHO warnt schon seit Jahren vor Pandemien im Zusammenhang mit industrieller Tierhaltung.

Außerdem führt der vermehrte Einsatz von Antibiotika in der Tierproduktion zu Resistenzen, die Medikamente wirkungslos machen. Jährlich werden weltweit etwa 131.000 Tonnen Antibiotika bei Tieren eingesetzt.

 

Im Zuge der Diskussionen um Corona ist der Fokus erst auf einen weiteren verdrängten Teil des Fleischkonsums gerückt. Die extrem verkehrenden Bedingungen auf großen Schlachtbetrieben, die Arbeiter auf engstem Raum leben und arbeiten lassen. Die großen Schlachtbetriebe, die von der konventionellen Massentierhaltung leben, haben ein System aufgebaut, das darauf ausgelegt ist Gewinne zu optimiert und dabei das „Wohl“ aller anderen Beteiligten, seien es die Tiere, die Bauern als Lieferanten, die Mitarbeiter oder Subunternehmer, ignoriert.

 

Und mit diesen Diskussionen geht nun die längst fällige Erkenntnis um die Herstellung von Fleisch einher, nämlich dass die großen Schlachtbetriebe ein tier- und menschenverachtendes System hinter verschlossenen Türen sind.  

Seit Beginn unserer Arbeit ist für uns die Zusammenarbeit mit regionalen Bio-Betrieben ein Grundsatz, den wir nicht mehr missen möchten. Dies beginnt bei der Auswahl unserer Bio-Landwirte und reicht bis hin zu regionalen, kleinen, biozertifizierten Schlachtbetrieben. Die Herstellung unserer Biofleischprodukte unterliegt einer streng kontrollierten und sorgfältig ausgewählten Kette, die die Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit unseren Bio-Landwirten, die mit Bedacht gewählten kurzen Transportwege und sorgsam ausgewählten Schlachter und Schlachtbetriebe beinhaltet.

 

Fleisch zu konsumieren war für Menschen nie selbstverständlich und sollte es heute auch nicht sein. Daher plädieren wir für weniger Fleisch und wenn, dann aus regionaler Biohaltung.

 

Denk daran, Du bist was Du isst.

 

Euer Yusuf von Josef’s Bio

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